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Doppelt weiße Weihnachten und ein rotes neues Jahr



Auch ein reisendes Kino darf mal Urlaub machen! Nachdem wir unser letztes Screening im alten Jahr ohne Bus und mit viel Improvisationstalent in der Nähe von Sucre über die Bühne gebracht hatten, stellte sich für uns erstmal die komplizierte Frage wie und wo wir unser Weihnachten verbringen wollte. Die Wahl fiel schließlich auf eine weiße Stadt im Kolonialstil voller Kirchen und Schokoladenläden, Sucre. Die eigentlichen Weihnachtstage verbrachten wir auf einer Art Almhütte in den Bergen der Umgebung. Der Schweizer Stil dieser Hütte mit seinen Kaminen und den Pinienwälder ringsherum ließen heimische Gefühle aufkommen. Heiligabend. Ein Temperatursturz mit Hagelsturm taucht plötzlich die komplette Landschaft passend in Weiß. So wurden uns, trotz tropischer Breite und Tagestemperaturen von 25 Grad, weiße Weihnachten beschert. Unsere extra eingeflogenen Starköche (Simon and the otros) bereiteten exklusiv verschiedene Weihnachtsbraten zu, natürlich begleitet von Rotkohl und selbst gemachten Knödeln.

Kaum hatten wir uns von diesen Weihnachtsstrapazen erholt, sollte es auch schon weiter gehen. Wieder hoch hinauf, dem Touritrek folgend ging es zur Wüstentour nach Uyuni. Am 27ten überlegte sich Evo die Mineralölsubventionen mit einem Streich abzuschaffen. Die Folge waren um 80% erhöhte Benzinpreise, Streiks und Bolivien im totalen Stillstand. So sah es erstmal aus, als ob es mit unserer Tour auf ungewisse Zeit nichts würde. Falsch, in Südamerika ist trotz des größten Chaos irgendwie trotzdem immer noch was möglich. Mit kaum Verspätung ging es rein in den Jeep und ab zur weißen Weihnacht Nummer 2: Blendend weiße Weiten, bis zum Horizont. Eine Wüste aus purem Salz und die extreme Kraft der Sonne auf fast 5000m Höhe, wir mitten drin. Wieder kommt ein leichtes Gefühl von Skiurlaub durch. In den nächsten zwei Tagen ging es durch Mondlandschaften, vorbei an Bilderbuch-Vulkanen, roten, grünen und blauen Lagunen voller rosa Flamingos, abstrakten Felsformationen, Lamaherden und heißen Quellen bis zum Highlight der Tour: In heiße Dämpfe mystische eingehüllte Geysire, die schwefelig blubbernd das innere der Erde nach außen spucken.

Später sind wir mitten in der Atacamawüste am Grenzübergang nach Chile und setzten über nach San Pedro. Hier erlitten wir erst mal wir einen kleinen Kulturschock der nebenbei auch unsere Portemonnaies betraff. San Pedro ist wohl der teuerste Ort Chiles; die Preise sind um ein 3 bis 20-faches höher als in Bolivien. Bei einem Pisco-sour und selbstgekochtem (= billiger und besser) Essen konnten wir uns aber schnell wieder beruhigten und einsehen, dass unsere Entscheidung trotzdem die richtige war. Der Ort ist einfach ein ziemlich hübsches Plätzchen inmitten eines unglaublichen Vulkanpanoramas, voller hipper Leute und rotem Wuestensand. Nebenbei sollte es zu Sylvester einen „illegalen“ Rave in der Wüste geben. Wir gaben uns also unserem Schicksal hin und erwarteten sehnsüchtig die Neujahrsnacht. Blei wurde gegossen, die Zukunft gedeutet und Wünsche verbrannt. Dann mischten wir uns unters Volk und feierten eine Weile im Alkoholrausch auf den Straßen von San Pedro. Die gemeinsame Feier endete abrupt, als wir uns schließlich, einzeln auf unterschiedliche Autos aufgeteilt, aufmachten, um die besagte Party in der Wüste zu finden.
Von hier an erzählt jeder seine eigene Geschichte. Fazit ist, dass wirklich alle intensivst geusucht haben, dann aber auf irgendwelchen anderen Festen landeten und niemand auf der Wüstenparty. Höchstens zu zweit trudelten irgendwann alle am 1. Januar wieder „zu Hause“ ein, die letzten um 15h.
Aus unserem ursprünglichen Plan, am nächsten Tag eine gegenderte Star Wars Adaptation im Valle de la Luna zu drehen, wurde leider nichts. Am Neujahrstag konnten wir uns statt um kreative Kostüme leider nur um unsere Kater kümmern. Am letzten Urlaubstag unternahmen wir also stattdessen einen weiteren Touritrip. Wir fielen auf den Hype des Sandbordens rein, was sich als langweilige Rutschpartie im brennend heißen Wüstensand entpuppte.
Müde und doch erholt kamen wir endlich nach 2 Tagen Rückreise in Cochabamba unserm nächsten Workshop-Ort an. Der Bus wartet derweil in Oruro immer noch auf einen neuen Motor.

Von Jule, Fotos Nadja Bülow

Oh du fröhliche

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Fotos Nadja Buelow

Salar de Uyuni

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Fotos Nadja Buelow
Jan 13, 2011 11:25:54 PM (CET, Europe/Berlin, UTC+01:00), ,
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